Der Schlüssel zur Freiheit.

Der Schlüssel zur Freiheit.

Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid zur Freiheit berufen.

(Galater 5,13)

Was benötigen wir, wenn wir eingeschlossen und somit nicht frei sind zu gehen wohin wir wollen? Richtig, einen Schlüssel. Und welche Pflanze passt da besser als die Schlüsselblume, ein Primelgewächs (primulasceae). Es gibt eine Menge Primelgewächse aber die beiden von denen wir hier sprechen sind die Echte oder Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) und die Hohe oder Wald-Schlüsselblume (Primula elatior). Die Namen beinhalten auch schon einige Unterschiede, wie z.B. den Standort bzw. die Stängellänge. Die Echte Schlüsselblume ist dottergelb und wenn man in die Blüte hineinschaut sieht man 5 orangefarbene Flecken. Diese sogenannten Schlundflecken wurden früher mit den Kreuzigungswunden Jesu in Verbindung gebracht. Es begegnet uns bei vielen Pflanzen, dass in früheren Zeiten gerade die Farbe oder besondere farbliche Merkmale mit biblischen Personen oder Geschichten erklärt wurden. Die Hohe Schlüsselblume ist eher blassgelb und hat diese Flecken nicht. Sie duftet auch nicht so wie die Echte.

(c) Marion Goetz

Nutzen können wir beide Arten. Die jungen Blätter und die Blüten können im Frühjahr wunderbar frisch in den Salat gegeben werden. In der Naturheilkunde werden in der Regel Blüten und Wurzel genutzt. Die Wurzel ist ein anerkanntes und zugelassenes pflanzliches Arzneimittel für „Katarrhe der Luftwege“, und kann bei festsitzendem Schleim verordnet und eingenommen werden. Dieser wird vor allem durch die in den Wurzeln vorkommenden Saponine verflüssigt und kann dadurch besser abgehustet werden. Die Blüten werden eher in Kombination mit anderen Pflanzen in Hustentees verwendet.

Die Volksheilkunde kennt aber auch noch andere Anwendungsgebiete für die Schlüsselblume. So wurde sie schon in alten Zeiten bei Rheuma, Gicht, Nervosität, Schlaflosigkeit aber auch stärkend bei Herzschwäche und lindernd bei Spannungskopfschmerzen genutzt. Heute kann dies durch ihre Inhaltsstoffe wie z.B. Flavonoide, Gerbstoffe, ätherische Öle und Andere erklärt werden.

Da die Schlüsselblume in vielen Gegenden sehr selten geworden ist darf sie Bundesweit nicht ausgegraben und in vielen Bundesländern auch nicht gepflückt werden. Also bitte im eigenen Garten anpflanzen. Kann bei guten Gärtnereien gekauft werden und verbreitet sich im Garten in der Regel recht schnell. Gärtner können auch gut Auskunft geben welche Bodenbeschaffenheit die Schlüsselblume braucht.

Die Schlüsselblume ist aber auch schon seit sehr langer Zeit eine Pflanze die in Geschichten und Legenden vorkommt. Sie ist eine der ersten Blumen die im Frühjahr blühen. Das kann man auch in ihrem lateinischen Namen erkennen. Primula  ist die Verkleinerung von Prima , der Ersten und veris bezieht sich auf den Frühling. Sie ist also die kleine Erste des Frühlings. Nach dem langen grauen Winter sehnten sich die Menschen nach Farbe und in Zeiten ohne Schrift oder gar Fernseher und Computer wurden Geschichten erzählt.

Bei den Kelten war die Schlüsselblume der Lichtgöttin Brigid geweiht und bei den Germanen der Freya. Diese bringen im Frühjahr das Licht wieder und damit das Wachstum der Pflanzen und das Leben.

Auch nach der Christianisierung Europas ist die Schlüsselblume ein wichtiger Bestandteil der Legenden geblieben. Sie wird zum einen mit Maria, der Mutter Jesu, verbunden, die durch Jesu Geburt den Menschen das Tor zum Himmel öffnet. Auf mittelalterlichen Marienbildnissen ist Maria oft mit der Schlüsselblume abgebildet und diese wurde und wird in manchen Gegenden auch Marienschlüssel, Himmelschlüssel oder Frauenschlüssel genannt. Zum anderen gibt es die Legende, dass Petrus als Hüter der Himmelspforte seinen Schlüssel auf die Erde fallen ließ und an dem Ort an dem er landete wurde er zur Schlüsselblume. Diese Geschichte gibt es in verschiedenen Ausführungen. Aber wie immer erkennen wir in all den Geschichten, wie wichtig die Natur den Menschen früher war und wie verbunden sie mit ihr waren. Sie haben sie damit und mit vielen Ritualen in ihren Alltag integriert. So wurde die Schlüsselblume auch als Orakelblume für Heiratsorakel genutzt. Wenn eine unverheiratete Frau in der Karwoche eine blühende Schlüsselblume fand, würde sie noch in diesem Jahr ihre große Liebe heiraten. Aus diesem Grund heißt sie auch Heiratsschlüssel oder Osterblume. Und die Anzahl der Blüten an diesem Stengel gaben auch gleich die Anzahl der Kinder an.

Ich wünsche Ihnen jetzt im Frühling viel freie Zeit in und mit der Natur.

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Quellen:

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v. Rudi Beiser

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von Anselm Grün und Susanne Türtscher

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Hinweis für Leser: Die in diesem Blog genannten Rezepte und Hinweise dienen der reinen Information. Sie sind keine medizinische Beratung und können nicht den Besuch bei einem Arzt oder Heilpraktiker ersetzen. Das Sammeln von Pflanzen dient nur dem Eigenbedarf und erfordert genaue Kenntnis über die Pflanze, um Verwechslungen mit giftigen Pflanzen zu vermeiden, und deren Einsatzmöglichkeiten. Die Autorin übernimmt keinerlei Haftung für Schäden oder Folgen, die aus dem Gebrauch oder Missbrauch der hier vorgestellten Informationen ergeben.

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