Opferbereitschaft, eine seltene Sache?

Opferbereitschaft, eine seltene Sache?

Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.

Johannes 15,13

Immer wenn ich einen Film sehe, in dem einer sein Leben für einen anderen gibt, dann berührt mich das zutiefst. Das geht dann selten ohne Tränen.

Vielleicht haben Sie den Film Braveheart gesehen. Die Geschichte eines schottischen Freiheitskämpfers, der sich gegen die Englische Krone erhebt. Seine Frau wird Opfer der Englischen Willkür. Fortan hat er keinen Grund mehr zu leben außer seiner Rache. Ein starkes Motiv. Letzten Endes stirbt er einen grausamen Märtyrertod, der zur Einigung des schottischen Volkes führt. Er stirbt für die Freiheit und findet gleichzeitig Frieden in der Rückkehr zu seiner getöteten Frau.

Eine sehr ähnliche Geschichte wird in Gladiator erzählt.

Der treue Feldherr, der eigentlich lieber Bauer wäre, wird eines Mordes beschuldigt, den er nicht begangen hat und entkommt seinem Todesurteil. Nachdem er den Mord an seiner Familie entdeckt, verzweifelt er und gibt auf. Er gerät in Gefangenschaft, wird Sklave und zum Gladiator. Irgendwann auf dem Weg erkennt er, dass er Rache üben kann, wenn er als Gladiator nur gut genug ist. Das gelingt ihm auch. In einem letzten unfairen Kampf, besiegt er den Mörder seiner Familie, den grausamen römischen Cesar Commodus, und gibt dem römischen Volk damit seine Republik zurück. Er geht mutig in den Tod, in dem Wissen, mit seiner Familie wiedervereint zu werden.

Foto von Jeff Wang von Pexels

Und ein dritter Film: Mann unter Feuer.

Ganz anders und doch opfert sich in diesem Film Creasy, ein alkoholanhängiger, suizidaler, Vergebung suchender CIA-Killer für das Leben eines kleinen Mädchens. Creasy sollte Pita als Bodyguard beschützen. Sie wurde entführt. Er fühlt sich schuldig. Am Ende fügt er dem Entführer so viel Schaden zu, dass der nur Creasys Tod will und in den Austausch für das entführte Mädchen einwilligt.

Letztendlich sind alle drei zu dem unwiderbringlichen Opfer bereit, so wie Jesus. Alle sind für eine Sache gestorben, an die sie glauben. Die Freiheit und Rache, Rache und die Republik, Vergebung.

Alle drei Filme erzählen die Geschichte von Menschen, welche die Welt verändert haben. Im Alleingang. Durch ein ganz persönliches Opfer.

Natürlich sind das Filme, aber jeder von uns kann die Welt jeden Tag ein kleines bisschen verändern. Wir können die Welt für eine andere Person völlig verändern. Es braucht oft nicht viel. Manchmal braucht es einen langen Atem. Und wahrscheinlich braucht es vor allem unbekannte Wege und die Bereitschaft, gegen unsinnige Regeln im Einzelfall zu verstoßen.

Als Therapeutin, ohne Psychotherapieausbildung habe ich immer nach meinem Bauchgefühl entschieden. Ich bin Drachensteigen lassen gewesen und wandern, ich habe einen Urlaub mit einer Klientin gemacht, mache Hausbesuche, habe einen Umzug organisiert, Drohungen gegen Täter ausgesprochen, bin laut gewesen, habe geweint, war verzweifelt, habe mit durchgehalten und gebangt, habe nicht aufgegeben, wenn der andere es getan hat, bin an Tatorten gewesen und in Gerichtsverhandlungen. Ich habe Weihnachtsgeschenke verteilt und Geburtstage gefeiert. War im Kino und bei Eltern zum Kaffee. Ich habe Stellungnahmen geschrieben, die nie bezahlt wurden, aber wenigstens wirkungsvoll waren.

Warum ich Opfer bringe?

Ich habe geliebt, wieder und wieder. Ich habe aus dieser Nächstenliebe heraus gehandelt und tue das auch heute. Aber ich habe mich oft dafür geschämt, so zu handeln. Ich habe mich als Therapeutin so lange minderwertig gefühlt, weil ich nicht den gesellschaftlich vorgegebenen Weg gegangen bin. Wenn ich heute zurückschaue, dann sehe ich, wie verrückt das alles war. Aber ich weiß auch, ich hätte es gar nicht anders tun können. Nicht, weil es nicht anders gehen würde, sondern weil es eben mein Weg war und ist.

Ich glaube, dass ich auf dem Weg einiges geopfert habe. Beziehungen wahrscheinlich, auf jeden Fall Geld und alles, was damit zusammenhängt, wie Urlaube oder ein teures Hobby. An der einen oder anderen Stelle habe ich sicher auch meine Gesundheit geopfert. Ich könnte es nicht anders tun und die mich kennen wissen, dass das einfach so ist.

Foto von Karolina Grabowska auf Pexels, Text von Stefanie Rösch

Ich glaube, das ist der Grund, warum mich das immer wieder so berührt, wenn ich einen dieser Filme sehe.

Viel Kraft für Ihren Weg, Ihre Stefanie Rösch

Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.

Johannes 15,13

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